
Vom Fragebogen in die Luft: Unser Heliflug mit den Gewinnern der Startup-Umfrage
Zwei Heliflüge als Gewinn unserer NRW DefenseTech-Startup-Umfrage: Norman von Morpheus Logistik und Jan von ONEKEY erlebten einen unvergesslichen Tag am Verkehrslandeplatz Schwarze Heide – mit Theorie, Briefing, Outside-Check und echten Flügen über das Ruhrgebiet.
Wie alles begann
Letztes Jahr haben wir im Rahmen unserer NRW DefenseTech-Startup-Umfrage etwas gewagt, das etwas größer war als ein Merchandise-Paket oder ein Konferenzticket: Wir haben zwei Heliflüge mit unserem Piloten Patrick Kammann verlost, einem erfahrenen Militärpiloten, der sein Cockpit für einen Tag für zwei Gewinner öffnete.

Die Resonanz auf die Umfrage war stark. Und die Spannung beim Verlosen auch. Am Ende durften sich zwei Teams über den besonderen Preis freuen:
- Norman von Morpheus Logistik GmbH – spezialisiert auf Drohnenlogistik in ganz Europa
- Jan von ONEKEY – Plattform für automatische Security & Compliance-Analysen für Geräte in Industrie, Produktion und IoT
Beide arbeiten tagtäglich mit Technologien, die den Luftraum und die digitale Infrastruktur der Zukunft mitgestalten. Was lag also näher, als ihnen einmal die Perspektive von oben zu geben – buchstäblich?
Der Morgen: Kaffee, Theorie und echte Pilotengeschichten
Der Tag begann früh am Verkehrslandeplatz Schwarze Heide, einem der ältesten und geschichtsträchtigsten Flugplätze des Ruhrgebiets. Kein großer Terminal, kein anonymes Gate-Chaos. Dafür: Morgenluft, ein klarer Himmel und Patrick, der mit einem Klemmbrett und einem breiten Grinsen auf uns wartete.
Bevor irgendjemand auch nur in die Nähe des Helikopters durfte, hieß es: Theorie. Und die hatte es in sich.
Patrick erklärte anschaulich wie ein Helikopter überhaupt funktioniert. Warum er sich so grundlegend von einem Flächenflugzeug unterscheidet. Wie Auf- und Abtrieb über den Rotor reguliert werden. Und was passiert, wenn ein Motor ausfällt – eine Frage, die Norman mit einem leichten Seitenblick auf Jan stellte.

Die Antwort war beruhigend: Auch ohne Motorleistung kann ein Helikopter sicher landen. Die sogenannte Autorotation erlaubt es, den Rotor durch den Fahrtwind allein in Drehung zu halten und kontrolliert zu gleiten. „Das ist kein Notfall, das ist eine normale Verfahrenstechnik", sagte Patrick. Ein Takeaway, den beide sichtlich in ihre mentale Risikoabwägung einbauten.
Besonders spannend: der Blick hinter die Kulissen der militärischen Pilotenausbildung. Patrick beschrieb, wie sich die Selektion anfühlt, wie lange es dauert, bis man allein in der Luft ist – und wie anders der Alltag als Militärpilot ist verglichen mit der zivilen Fliegerei. Enge Formationen, Nachtflüge mit NVG (Night Vision Goggles), taktische Flugprofile in unwirtlichem Gelände. Für Norman, dessen Unternehmen mit autonomen Drohnensystemen in der Logistik arbeitet, war das kein Fremdwort – sondern Kontext.

Das Briefing: Wetter, Luftraum und Flugplan
Nach der Theoriestunde folgte etwas, das aus Pilotenalltag stammt und für die meisten Menschen unsichtbar bleibt: das fliegerische Briefing.
Patrick öffnete seinen Laptop, rief die aktuellen Wetterdaten ab – METAR und TAF für den Platz und die geplante Strecke – und erklärte, was er dort sah und was es bedeutet. Windrichtung, Sicht, Wolkenuntergrenze, Thermik. Alles im grünen Bereich, aber das wird trotzdem systematisch geprüft, nicht einfach gefühlt.

Dann die Flugplanung: Welcher Korridor? Welche Höhe? Welche Lufträume werden berührt, welche benötigen Genehmigung, welche sind gesperrt? Für Norman, der täglich mit BVLOS-Genehmigungen und Luftraumkoordinierung für Drohnen zu tun hat, war das ein vertrautes Terrain – aber aus einer völlig anderen Perspektive betrachtet. „Das ist im Grunde dasselbe wie bei uns", sagte er, „nur dass hier der Pilot direkt an Bord sitzt."
Die geplante Route: Start Schwarze Heide, Kurs Richtung Duisburger Hafen, Rhein entlang, Rheinturm als visueller Orientierungspunkt – und zurück.
Die Maschine: Outside-Check, Tanken, Alles auf Anfang
Dann endlich: der Gang zur Maschine.

Patrick führte beide Gewinner durch den Outside-Check – eine rituelle, aber hochgradig ernste Routinekontrolle, die kein erfahrener Pilot überspringt. Rotorblätter auf Beschädigungen prüfen. Hydraulikleitungen. Triebwerk. Jede Luke, jeder Anschluss, jede Sicherung. „Das klingt wie Checklisten-Pflicht", so Patrick, „aber es ist eigentlich Selbstschutz."

Nach dem Check, nach dem Tanken, nach dem Einweisen in die Sicherheitsregeln im Cockpit: Beide Türen zu. Gurte fest. Headsets auf. Und dann das charakteristische Hochlaufen des Rotors.
Flug 1: Norman legt Hand an
Norman durfte als Erster in die Luft – und er durfte nicht nur zuschauen.

Nach dem Start übernahm Patrick die erste Phase, erklärte in Echtzeit, was er tat und warum. Dann, in sicherer Höhe und ruhiger Luft, das Angebot: „Willst du mal?"
Norman wollte. Und was folgte, war der Moment, der sich einbrennt: Das erste Mal die Kontrolle eines Helikopters zu spüren, zu merken wie sensibel das System auf jede Mikrobewegung reagiert, wie viel gleichzeitig koordiniert werden muss – und trotzdem stabil in der Luft zu bleiben. Patrick ließ ihn ein paar Minuten fühlen, korrigierte sanft, ließ wieder los.
Für jemanden, der täglich mit Drohnenautonomie und Flugsteuerung zu tun hat, war das kein abstraktes Erlebnis. Es war ein unmittelbarer Beweis dafür, warum menschliche Redundanz in der Luft selbst im Zeitalter der Automatisierung noch lange nicht ausgedient hat.
Flug 2: Jan und das Ruhrgebiet aus 600 Metern

Und das Ruhrgebiet lieferte. Der Flug über den Duisburger Hafen – dem größten Binnenhafen der Welt – aus der Luft ist eine eigene Erfahrung: Container-Terminals, Stahlwerke, Kanäle, Autobahnen, Siedlungen, Parks, Windräder – alles auf engstem Raum, alles miteinander verwoben, alles gleichzeitig sichtbar.

„Man versteht die Region erst, wenn man sie von oben sieht", sagte Jan nach der Landung. Der Rheinturm als Orientierungspunkt, die Brücken über den Rhein als Linien in einem Netz, das sich weit über das Sichtbare hinaus fortsetzt. Für jemanden, der digitale Infrastruktur sichtbar und sicher machen will, war das kein Ausflug – das war ein Perspektivwechsel im wörtlichsten Sinne.
20 Minuten. Beeindruckende Sicht. Und das leise Staunen darüber, wie viel Industrie, Infrastruktur und Natur auf einmal in einem Bild Platz haben.
Nach der Landung
Beide Gewinner mit dem gleichen Gesichtsausdruck: einem Gemisch aus Erschöpfung, Euphorie und dem Bedürfnis, sofort darüber zu reden.
Was am Ende blieb, war mehr als ein Erlebnis. Es war ein gemeinsamer Bezugspunkt – zwischen einem Piloten und zwei Gründern, die Technologie in unterschiedliche Richtungen skalieren. Manchmal braucht es einen Tag aus dem Alltag und 600 Meter Höhe, um zu erkennen, wie nah die eigenen Themen beieinanderliegen.
Danke an Norman und Jan für den Austausch – und an Patrick für den Tag, die Geduld und die Einblicke.
Bis zur nächsten Umfrage.